Torsten Groß

Auflagenschwund: Leser strafen linksgewendete Springer-Blätter ab

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Der Abwärtstrend bei Deutschlands Tageszeitungen hält an. Das zeigen die jetzt veröffentlichten Daten der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern, kurz IVW, für das zweite Quartal 2020. Danach ist die verkaufte Auflage über alle Titel gegenüber dem Vorquartal um 3,28 Prozent und im Vergleich zum Vorjahr sogar um 7,62 Prozent gesunken. Diese Zahlen beinhalten neben den Printausgaben auch die ePaper-Verkäufe. Letztere haben zwar im Jahresvergleich um knapp 20 Prozent zugelegt, machen aber mit weniger als 13 Prozent nur einen Bruchteil der Gesamtauflage aus. Die elektronischen Verkäufe können also die Verluste der gedruckten Tageszeitungen nicht kompensieren, auch wenn die Verlagsbranche in ihren Verlautbarungen mitunter einen anderen Eindruck zu erwecken versucht.

Vom Auflagenrückgang besonders stark betroffen sind Zeitungen, die früher dem bürgerlich-konservativen Spektrum zuzurechnen waren, in den letzten Jahren aber zunehmend auf den Pfad der politischen Korrektheit eingeschwenkt sind, also nach links rückten. Das gilt vor allem für die Springer-Blätter Welt und Bild. Bezogen auf die sogenannte »harte Auflage« – das ist die Summe aus Einzelverkäufen im Handel und Abonnements – hat die Tageszeitung Die Welt (Ausgabe Montag – Samstag) einschließlich ePaper innerhalb eines Quartals rund 4,5 Prozent ihrer Auflage eingebüßt. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres sind es sogar fast 29 Prozent.

A6759976_douglas_murray_wahnsinn_der_massen_coverDamit belegt Die Welt den traurigen Spitzenplatz. Der massive Einbruch, der fast viermal so stark ausfällt wie im Branchendurchschnitt, kommt nicht von ungefähr. Unter Leitung der linksliberalen Chefredakteurin Dagmar Rosenfeld (früher beim Tagesspiegel und der Zeit tätig) entfernt sich das einstige Flaggschiff des Springer Verlages immer mehr von seinen Lesern. Dieser Trend setzte schon unter Rosenfelds Vorgänger Ulf Poschardt ein, der ursprünglich von der Süddeutschen Zeitung kam und mittlerweile die Welt-Gruppe leitet. Es dürfte kaum eine Publikation in Deutschland geben, die so konsequent gegen die Mehrheitsmeinung der eigenen Leserschaft anschreibt wie die Redaktion der Welt.

Doch nicht nur das: Nutzer, die im Forum des Online-Portals WeltN24 missliebige nicht-linke Auffassungen vertreten, werden vom Leserservice gnadenlos abgestraft, ihre auch regelkonformen Kommentare zu redaktionellen Beiträgen entweder gar nicht veröffentlicht bzw. gelöscht oder – auf Nachfrage – erst Tage später eingestellt, wenn der Ausgangsartikel längst im digitalen Archiv verschwunden ist und niemanden mehr interessiert. Kritische Geister aus dem konservativen Spektrum werden auf diese Weise von den Moderatoren des Portals regelrecht weggemobbt. Kein Wunder, dass sich immer mehr zahlende Kunden von der Zeitung verabschieden und die Auflage in den Keller rauscht.

Einbußen haben auch die Welt-Schwesterzeitungen Bild und BZ erlitten. Bei den bekannten Boulevardblättern ging die Zahl von Kioskkäufern und Abonnenten gegenüber dem 1. Quartal des Jahres sogar um insgesamt 7,8 Prozent zurück. Im Jahresvergleich waren es immerhin rund 17 Prozent. Die mit derzeit 1,37 Millionen verkauften Exemplaren immer noch auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands (es waren einmal 5,5 Millionen), die einer Analyse zufolge vor allem Männer mittleren Alters ohne Abitur erreicht, vergrault ihre Leser nicht zuletzt durch die scharfe Anti-Russland-Rhetorik ihres Chefredakteurs Julian Reichelt, der dabei auch vor Falschbehauptungen nicht zurückschreckt. 2016 fing er sich dafür sogar eine offizielle Missbilligung des Deutschen Presserats ein. Zuletzt sorgte Reichelt mit der Aussage für Furore, dass es klassische Interviews mit Politiker der AfD, immerhin die größte Oppositionspartei im Deutschen Bundestag, in der Bild nicht geben werde. Auch diese Position dürften Teile der Bild-Leserschaft nicht goutieren.

Zu den großen Verlierern in der aktuellen IVW-Erhebung gehört auch die früher konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung. Mit einem Minus von über 11 Prozent verlor die FAZ im Quartalsvergleich bei den großen, deutschlandweit erscheinenden Tageszeitungen sogar am stärksten. Gegenüber dem Vorjahr fiel der Verlust mit knapp 14 Prozent zwar moderater, aber immer noch deutlich aus. Auch hier zeigt sich: Der Linksschwenk, den die Zeitung in den letzten Jahren vollzogen hat, ist dem Blatt gemessen am Zuspruch der Käufer nicht gut bekommen.

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Nach den aktuellen IVW-Zahlen behaupten konnten sich die Wochenmagazine und -zeitungen, deren Auflagen weitgehend stabil blieben. Einzig das Nachrichtenmagazin Focus musste auf Jahressicht mit einem Verlust von mehr als 7 Prozent deutlichere Einbußen hinnehmen. Das eigentliche eher konservative Münchener Nachrichtenmagazin krankt von jeher an seinem linkslastigen Online-Portal, das unter derselben Marke firmiert, aber von einer anderen Redaktion verantwortet wird, was jedoch kaum bekannt ist. Sowohl auf Quartals- als auch auf Jahressicht signifikant zulegen konnte dagegen die linke Wochenzeitung Die Zeit, und zwar mit einem Plus von jeweils über 11 Prozent.

Interessant ist, dass ihr Pendant, die konservative Junge Freiheit aus Berlin, vom Niedergang der linksgewendeten bürgerlichen Tageszeitungen kaum profitieren kann. Zwar vermeldet die Zeitung auf ihrer Internetseite stolz, dass man die Auflage im zweiten Quartal 2020 gegenüber den ersten drei Monaten des Vorjahres um 4,1 Prozent steigern konnte; dieser Zuwachs ist aber allein auf die Zunahme der »sonstigen Verkäufe« zurückzuführen. Dabei handelt es sich laut IVW insbesondere um solche Exemplare, die verbilligt im Rahmen von Kombi-Abos abgeben werden. Bei der »harten Auflage« – also Abonnements und Einzelverkauf zum regulären Preis – hat die Junge Freiheit dagegen auf Jahressicht leichte Verluste zu verzeichnen.

Ein Grund für die Stagnation könnte sein, dass sich die Reaktion der Zeitung, die einen großen Teil ihrer Leserschaft aus dem Umfeld der AfD rekrutiert, im innerparteilichen Machtkampf auf die Seite der liberal-konservativen Reformer gestellt und gegen den rechten Flügel um den Thüringer Landesvorsitzenden Höcke positioniert hat. Diese klare Haltung dürfte manchen Kunden vor allem im Osten der Republik veranlasst haben, der Zeitung aus Protest den Rücken zu kehren.

Fazit: Die Mainstream-Medien insbesondere im Segment Tageszeitungen verlieren insgesamt weiter an Popularität. Im Abwärtsstrudel befinden sich vor allem ehemals konservative Blätter, die sich dem Zeitgeist angepasst und einen politischen Linksschwenk vollzogen haben.

Sie verlieren Leser, ohne im gleichen Umfang neue zu gewinnen, weil die anvisierte »progressive« Zielgruppe lieber den etablierten linken Medien die Treue hält. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist der Richtungswechsel also keine gute Idee. Aber offenbar sind die Verantwortlichen eher bereit, den ökonomischen Untergang ihrer Blätter zu riskieren als vom Pfad der politisch-korrekten Tugend abzuweichen!

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Donnerstag, 23.07.2020