Tyler Durden

Der Fall Skripal wird in ein Gedächtnis-Loch geschoben – genauso wie davor Libyen und Aleppo

Am 4. März wurde in der verschlafenen britischen Stadt Salisbury ein ehemaliger Spion namens Sergei Skripal vergiftet – mit dem tödlichsten Nervengift, das die Menschheit kennt.

Sofort machte eine schockierte und empörte Welt die russische Regierung für die Tat verantwortlich. Großbritanniens Außenminister Boris Johnson beteuerte gegenüber dem britischen Volk, es gebe »keinerlei Zweifel« daran, dass Moskau verantwortlich sei. Schlagartig wurde die Welt in die Zeiten und die Stimmung des Kalten Kriegs zurückgeworfen, während zahlreiche Länder rund um den Globus aus Solidarität mit Großbritannien russische Diplomaten vor die Tür setzten. Noch nie in der Geschichte mussten zeitgleich derart viele russische Diplomaten abreisen.

Zwei Monate sind vergangen seit diesem Attentatsversuch, der die Welt erschütterte. Und während die Welt unlängst gebannt das PR-Spektakel einer Adelshochzeit verfolgte, wurde Sergei Skripal ohne großen Medienaufgalopp aus dem Krankenhaus entlassen. Er ist auf dem besten Wege, vollständig zu genesen.

Moment mal. Das kenne ich doch aus einem Monty-Python-Sketch, oder?

Noch einmal kurz zusammengefasst: Ein Ex-Spion, der in Rente gegangen und seit Jahren jegliche Relevanz eingebüßt hat, wurde also vom Kreml mit Nowitschok vergiftet, was gruselig russisch klingt und für eine Gruppe extrem tödlicher und rasch wirkender Nervengifte steht. Sie sind so tödlich, dass innerhalb von 30 Sekunden bis 2 Minuten alle Muskeln erschlaffen und das Atmungssystem den Geist aufgibt.

Nur dass bei Sergei Skripal und seiner Tochter Julia mehrere Stunden vergingen, während derer die beiden einen gemütlichen Spaziergang absolvierten, etwas essen waren und sich ein Bierchen gönnten.

Das Gift befand sich im Koffer von Julia Skripal. Ach so, halt, falsch, es war an den Lüftungsschlitzen im Familienwagen. Nein, Stopp, das funktioniert ja gar nicht. Dann wurde es über eine zur Waffe umgebaute Miniaturdrohne verabreicht! Jetzt aber: Es war der Türgriff des Familienwagens. Auch nicht? Dann bleibt nur noch die Tür ins Haus. Ja, jetzt haben wir es, die Eingangstür war es, wir sind hundertprozentig sicher. Entweder das oder Sergei Skripals liebste russische Frühstücksflocken. Den beiden wurden 100 Gramm Nowitschok verabreicht. Nee, das ist ja Quatsch, wir ziehen diese Aussage zurück. Okay, vielleicht haben wir nicht die geringste Idee, was hier eigentlich passiert ist. Ach, übrigens: Die Haustiere waren von dem Gift nicht im Geringsten betroffen. Am besten äschern wir sie ein.

Und noch einmal zurück zur Behauptung von Boris Johnson, das Labor Porton Down habe ihm gegenüber beteuert, es gebe »keinerlei Zweifel«, dass Russland hinter dem Giftanschlag steckt? Das erwies sich als glatte Lüge; Porton Down sagte nichts Derartiges und es war auch nie die Aufgabe des Labors, eine derartige Einschätzung abzugeben. Johnson hat gelogen und sowohl das britische Außenministerium wie auch die Mainstreammedien des Landes versuchten das zu vertuschen: Tweets wurden gelöscht, Abschriften überarbeitet und es gab Anstrengungen, die Geschichte zu verfälschen. Die britische Regierung hatte geschlossen darauf bestanden, dass der Kreml die Skripals vergiftet hatte? Nicht doch, das war doch nur eine »Andeutung«.

Und nun sind Sergei und Julia Skripal, die von bestens ausgebildeten Attentätern mit dem tödlichsten uns bekannten Nervengift vergiftet wurden, beide wieder wohlauf.

Aber Russland sollen wir trotzdem weiter fürchten und hassen? Ja, und am besten denken Sie nicht allzu gründlich darüber nach oder erinnern sich allzu genau.

Erinnert sich noch jemand an Aleppo?

Es würde mich nicht wundern, wenn das alle erfolgreich aus der Erinnerung gelöscht hätten, denn die großen Medienkonzerne berichten so gut wie gar nicht mehr darüber. Es ist fast so, als wollten sie die Horrorgeschichten vergessen machen, die sie uns erzählten … die Geschichten von der Stadt, die von guten, noblen Freiheitskämpfern gehalten wurde und in die Hände einer Heerschar durchgeknallter Psychopathen zu fallen drohte, die nur eines wollten: Frauen vergewaltigen, Kinder bei lebendigem Leib verbrennen und Häuser stürmen und die dort lebenden Zivilisten erschießen. Zum Jahresende 2016 hin war das praktisch das einzige, was man zu hören bekam. »Aleppo fällt«, hieß es damals und wenn der Westen nicht eingreifen würde und verhinderte, dass Damaskus und Moskau den nur von lauteren Absichten erfüllten Rebellen Ost-Aleppo abnahm, dann würden alle Einwohner dort von den seelenlosen Schlächtern im Dienste der syrischen Regierung vergewaltigt, gefoltert und abgeschlachtet.

Tja. Moskau und Damaskus haben Ost-Aleppo in der Tat zurückerobert, aber wie sich herausstellte, war alles, was man uns erzählt hat, eine Lüge. Der Vorwurf, die syrische Armee beabsichtige schreckliche Gräueltaten, erwies sich als vollkommen grundlos. Hinter den »Freiheitskämpfern« steckten in erster Linie brutale Al-Kaida-Ableger und die Stadt blüht wieder auf und verfügt wieder über geschäftige Marktplätze. Nachdem sie ständig den Weltuntergang herbeiredeten, der nach dem »Fall von Aleppo« gewiss über die Menschen dort hereinbrechen würde, vergaßen die Massenmedien die Stadt komplett, als sich alle ihre Unkenrufe und Prognosen als komplett falsch erwiesen.

Aleppo verschwand völlig von der Bildfläche, bei George Orwells 1984 hätte es geheißen, es wurde in ein Gedächtnis-Loch geschoben. Es ist jetzt ein Nicht-Thema.

Und was ist mit Libyen? Erinnern Sie sich an Libyen? Das ist dieses Land, das noch in der Sekunde, in der das Imperium des Westens den erwünschten Regierungswechsel bekommen hatte, im Gedächtnis-Loch verschwand. Noch bevor Muammar al-Gaddafi begleitet vom sadistischen Gekicher Hillary Clintons in den Straßen verstümmelt wurde, sagte man uns mit wachsender Dringlichkeit, dass wir aus humanitären Gründen eingreifen müssten, da Gaddafis Soldaten böse Dinge täten. So würden sie Viagra schlucken, um noch mehr libysche Zivilisten vergewaltigen zu können. Inzwischen ist Gaddafi tot und wir wissen, dass sowohl die Gründe für eine humanitäre Intervention wie auch die Viagra-Vergewaltigungsgeschichten reine Erfindungen waren. Und Libyen? Nachdem das Eingreifen des Westens Libyen in einen gescheiterten Staat verwandelte, ist Libyen heutzutage eine humanitäre Katastrophe, in der ganz offen Sklavenhandel praktiziert wird.

Wo sind jetzt all die Rufe für ein Eingreifen aus humanitären Gründen? Es steht doch wohl außer Frage, dass es dem Land jetzt deutlich schlechter geht als unter Gaddafi.

Egal. Ab ins Gedächtnis-Loch damit.

Wieder und wieder deckt man uns in betrügerischer Absicht mit derartigen Geschichten ein und trommelt auf diese Weise für die Ziele der westlichen Kriegsmaschinerie. Kommt dann irgendwann doch die Wahrheit ans Licht, dann belügt man uns erneut, der Nachrichtenzyklus dreht sich weiter und es wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Die alten Geschichten werden unterdessen still und heimlich entsorgt.

Ein Jahr, zwei Jahre später fragen wir uns dann vielleicht: »Was ist eigentlich aus dem Thema XY geworden, das vor einer Weile die Nachrichten beherrscht hat?« Dann googeln wir kurz, finden aber nichts Relevantes und vergessen das Thema wieder.

Und jetzt senkt sich eine sehr verdächtige Stille, die möglicherweise mit Christopher Steele zu tun hat, über das Thema Skripal. Es ist schon soweit gekommen, dass Sergei Skripal aus eigener Kraft das Krankenhaus verlassen kann und das in den Nachrichten kaum Erwähnung findet. Niemand kann mit den Skripals reden, aber alle tun so, als ob das völlig normal sei. Hinter diesem Fall verbirgt sich ganz offenkundig ein Berg an Lügen und Vertuschungsaktionen der britischen Regierung und ihrer Verbündeten, aber jetzt wird der Fall aus dem Rampenlicht gedrängt und durch wichtigere Fragen abgelöst: Wie fanden Sie denn Meghans Kleid? Und haben Sie schon gelesen, was Trump wieder getwittert hat?

Aber wir lassen nicht zu, dass diese Themen in Vergessenheit geraten. Wir lassen nicht zu, dass die Welt vergisst, wie die stetig ansteigenden imperialistischen Eskalationen gegen Russland und Moskaus Verbündete durch einen Sack voller Lügen über die Ereignisse in Salisbury angeheizt wurden. Es gibt in den alternativen Medien reichlich Menschen wie mich, die auch künftig auf das große schwarze Loch unbeantworteter Fragen zeigen werden und rufen: »Hey! Was ist mit all den Lügen, die ihr uns über die Skripals aufgetischt habt?«

Diese Angelegenheit wird nicht im Gedanken-Loch verschwinden. Wir werden alle daran erinnern. Wir werden nicht zulassen, dass es jemand vergisst.

Quelle: ZeroHedge

Diesen Beitrag teilen