Torsten Groß

Geistiger Bürgerkrieg: Anleitung für »Sprachkrieger«

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Wer die Sprache beherrscht, der beherrscht die Realität. Und wer die Realität beherrscht, der hat die Macht. Diese an George Orwell angelehnte Erkenntnis ist auch ein leitendes Motiv des kürzlich erschienenen Buches Das Wörterbuch der Lügenpresse von Thur Kunkel. Er sieht Deutschland in einem neuen geistigen Bürgerkrieg, den die Apologeten der Political Correctness zu gewinnen trachten, indem sie die Sprache als Mittel des politisch-sachlichen Diskurses zu demontieren versuchen.

Dabei geht es nicht mehr nur darum, einzelne missliebige Begriffe umzudeuten oder als »Unworte« zu stigmatisieren, um sie aus der Diskussion zu entfernen, sondern um die systematische Verbannung ganzer Themenkomplexe und Meinungen. Sprache wird so zum Instrument der Repression und der Gedankenkontrolle. Das Ziel ist es, die Menschen umzuerziehen und Kritiker an den bestehenden, vom grünlinken Establishment bestimmten gesellschaftlichen Zuständen mundtot zu machen. Deshalb gelte es die »Sprechcodes« zu brechen und die zunehmende Beschneidung der Meinungsfreiheit nicht länger hinzunehmen. Der Aufruf Kunkels an eine zunehmend kritische Öffentlichkeit lautet daher: »Holt euch eure Sprache zurück!«

Kunkel belässt es aber nicht bei diesem Appell, sondern zeigt in seinem Buch auf, was der Einzelne konkret tun kann, um sich im Alltag gegen Sprech- und Denkverbote zur Wehr zu setzen. So könnte man zusammen mit Gleichgesinnten »Lesezirkel« gründen, in denen die Medienberichterstattung diskutiert und Sprachmanipulationen sowie Falschinformationen identifiziert werden, schlägt Kunkel vor. Um Lesezirkel zu realisieren, ist es im Zeitalter der elektronischen Medien nicht mehr erforderlich, physische Treffen abzuhalten. Vielmehr ist der Gedankenaustausch z.B. über Chatgruppen oder geschlossene Foren im Internet möglich, was die Mobilisierung von Mitstreitern über geographische Grenzen hinweg erheblich erleichtert.

Die bei den internen Diskussionen gewonnenen Erkenntnisse können sowohl in sozialen Netzwerken verbreitet als auch für Leserbriefketten unter Beteiligung möglichst vieler Absender in ganz Deutschland genutzt werden, um unzutreffende Aussagen in den Mainstream-Medien am Wort zu widerlegen. Wer das Innenleben von Redaktionen kennt der weiß, dass solche Zuschriften üblicherweise nicht einfach im Papierkorb landen, sondern durchaus Beachtung finden und zum Nachdenken bewegen, wenn sie denn inhaltlich fundiert und höflich im Umgangston sind. Auch an die Chefredakteure gerichtete Beschwerden über einzelne Journalisten, die in ihren Beiträgen notorisch manipulieren, können zielführend sein, so Kunkel.

Ein konventionell mit der Post verschickter Brief, in den man sein Anliegen sozusagen schwarz auf weiß mitteilt, erregt dabei erfahrungsgemäß mehr Aufmerksamkeit als eine E-Mail, die schnell gelöscht werden kann oder im übervollen elektronischen Posteingang untergeht.

»Die Wirklichkeit erkennen und nicht handeln, das ist nicht Toleranz, sondern Feigheit.«

Thor Kunkel, Bestsellerautor und freiberuflicher PR-Berater

Noch einfacher und »zeitgemäßer« ist es natürlich, sich an Leserdebatten auf den Internetportalen großer Presseorgane wie Focus, Welt oder Spiegel zu beteiligen. Aber Achtung: Gerade dort wachen die Jünger der politischen Korrektheit in Gestalt redaktioneller Zensorenteams – schönfärberisch »Moderatoren« genannt –, die missliebige Zuschriften entweder gar nicht freischalten oder nachträglich löschen. Ein besonders eklatantes Beispiel im deutschsprachigen Raum ist die Webseite der Tageszeitung Die Welt. Man darf aber nicht einfach hinnehmen, wenn eigene Beiträge auf Basis teilweise abstruser »Nutzungsbedingungen« entfernt werden. Vielmehr empfiehlt es sich, Kontakt mit der Redaktion aufzunehmen und die Gründe der Entscheidung zu hinterfragen. Auch sollte man sich nicht mit fadenscheinigen Erklärungen abspeisen lassen, sondern nachhaken und mit guten Argumenten für sein Recht auf Meinungsfreiheit kämpfen.

979100_Kunkel_Woerterbuch_der_LuegenpresseMenschen mit größerer Affinität zum Medium Internet und dem erforderlichen technischen Verständnis können einen eigenen Informationskanal auf YouTube einrichten oder einen Blog aufsetzen. Oder bereits bestehende Angebote dieser Art, die von Dritten betrieben werden, durch eigenes Zutun aktiv unterstützen.

Egal, für welchen Weg man sich entscheidet, wichtig ist stets: Sachlich und fair bleiben, den Gegenüber mit Worten überzeugen und keine Gewalt anwenden, auch nicht verbaler Art, weil man so das eigene Anliegen auch in den Augen neutraler Beobachter diskreditiert. Und möglicherweise in Konflikt mit immer schärfer ausgestalteten Strafrechtsnormen geraten kann.

Durch die Vernetzung dieser und weiterer Aktivitäten – der Fantasie, wie man als »Sprachaktivist« am Kampf gegen Denk- und Sprechverbote teilnehmen kann, sind keine Grenzen gesetzt – wird im Laufe der Zeit, so Kunkel, eine Graswurzelbewegung entstehen, »die intelligent gegen die gravierende Einschränkung ihrer Artikulationsmöglichkeiten empört« und die noch schweigende Mehrheit der Deutschen wachrüttelt, um perspektivisch eine positive Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse in unserem Land herbeizuführen. Der vom Autor aufgezeigte Weg ist sicherlich ein mühevoller und verlangt einen langen Atem der »Sprachkrieger«. Aber er ist immer noch aussichtsreicher als das Warten auf einen revolutionären Akt, den großen Zusammenbruch, der die Lage sozusagen über Nacht zum Besseren wandelt. Denn der wird wahrscheinlich nie kommen!

Bestellinformationen:

» Thor Kunkel: Das Wörterbuch der Lügenpresse, 383 Seiten, 22,99 Euro – hier bestellen!

Dienstag, 21.04.2020