Michael Snyder

Handelsgespräche zwischen USA und China scheitern: »Alles spricht für eine absolute Katastrophe, die die Börse diese Woche in den Keller jagen könnte«

An den globalen Finanzmärkten regiert wieder das Chaos und dieses Mal sieht es nicht so aus, als gäbe es einen leichten Ausweg. Wieder und wieder haben uns die Mainstreammedien in den ersten vier Monaten des Jahres eingebläut, was doch für große Fortschritte bei den Handelsgesprächen mit China erzielt worden seien. Schon bald würden die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen sein. Jetzt ist klar, dass es sich bei diesen Meldungen um Fake News gehandelt hat.

Aus diversen Gründen haben die Chinesen bei den Verhandlungen auf Zeit gespielt. Und nachdem sie die Regierung Trump erst einmal dazu gebracht hatten, während der laufenden Verhandlungen auf neue Strafzölle zu verzichten, hatten die Chinesen es noch weniger eilig damit, zu einer Vereinbarung zu gelangen. Ginge es nach ihnen, dürften sich die Verhandlungen vermutlich noch bis zur Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr ziehen, denn sie hätten viel lieber einen anderen Verhandlungspartner. Doch inzwischen scheint Präsident Trump endlich dahintergekommen zu sein, dass man mit ihm spielt. Am Sonntag verkündete er wütend in zwei Tweets, dass er China massive neue Strafzölle aufbrummen wird:

»Seit zehn Monaten bezahlt China den USA Zölle in Höhe von 25 Prozent auf 50 Mrd. Dollar an High-Tech und 10 Prozent auf 200 Mrd. Dollar an anderen Waren. Diese Zahlungen sind ein Grund dafür, dass die Ergebnisse unserer Wirtschaft so großartig sind. Die 10 Prozent werden am Freitag auf 25 Prozent steigen. Waren im Wert von weiteren 325 Milliarden Dollar, die China uns schickt, bleiben weiterhin unbesteuert, aber das wird sich demnächst ändern, und zwar ebenfalls zu einem Satz von 25 Prozent. Die Zölle, die den USA bezahlt werden, haben die Produktionskosten wenig beeinflusst, den Großteil der Last trägt China. Die Handelsunterredungen mit China dauern an, aber es geht zu langsam voran, da sie Nachverhandlungen anstreben. Nein!«

Als Reaktion auf die wütenden Tweets von Trump deuteten die Chinesen an, die Verhandlungen diese Woche abzusagen:

»Chinas Vizepremier Liu He hatte vor, am Mittwoch mit einer großen Delegation nach Washington zu reisen, um ein Handelsabkommen zu vereinbaren – und in den vergangenen Tagen war die Rede davon, dass tatsächlich etwas in der Art eines Deals herauskommen könnte. Stattdessen erklärten nun zwei Quellen, die über die Gespräche informiert sind, dass China sich diese Woche aus den Gesprächen herausziehen könnte.

Das sei, so die Quellen, gekoppelt an Trumps neue Drohungen, die den seit sechs Monaten herrschenden Waffenstillstand beenden, nachdem Peking bei einigen zuvor erörterten Verpflichtungen geschwankt hatte.«

Und der Reporter Edward Lawrence spricht sogar davon, dass die Verhandlungen inzwischen offiziell beendet seien:

»Chinas Vizepremier Liu He hat seine für diese Woche geplante Washington-Reise zu Handelsgesprächen abgesagt. Zuvor hatte Präsident Donald Trump über Twitter weitere Zölle angedroht, da ihm die Gespräche zu langsam voranschreiten. #China #Trade #Breaking«

Natürlich reagierten die globalen Finanzmärkte auf diese Entwicklung nicht mit Begeisterung. Die Hoffnung, dass eine Handelsvereinbarung unmittelbar bevorsteht, hatte über weite Teile des Jahres die Aktienkurse beflügelt, aber nun scheint sich diese Hoffnung in Luft aufgelöst zu haben. Die großen chinesischen Börsen verloren allesamt über fünf Prozent:

»Am Montagmorgen verloren die Aktien im asiatisch-pazifischen Raum im Frühhandel, nachdem die Spannungen in den Handelsbeziehungen zwischen USA und China wieder zugenommen hatten. Präsident Donald Trump erklärte, eine Erhöhung der Zölle stehe bevor, und zwar auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar.

Die chinesischen Märkte verloren im Frühhandel deutlich. Der Shanghai Composite Index, der Shenzhen Composite Index und der Shenzhen Component Index verloren jeweils über fünf Prozent.«

Und auch die Ölpreise gingen sofort in den Sinkflug über:

»Die Ölpreise gingen ebenfalls während des Frühhandels in Asien deutlich zurück. Futures auf Rohöl aus den USA verloren 2,34 Prozent auf 60,49 Dollar pro Barrel. Futures auf die Rohölmarke Brent sanken ebenfalls, um 2,09 Prozent auf 69,37 Dollar pro Fass.«

Leider handelt es sich hier wahrscheinlich um mehr als einen vorübergehenden Rückschlag für die Märkte. Sofern sich nicht noch irgendwie ein Handelsabkommen zusammenzimmern lässt, dürfte es ziemlich rasch sehr »interessant« werden.

CNBC zitiert einen führenden Experten mit den Worten: »Alles spricht für eine absolute Katastrophe, die die Börse diese Woche in den Keller jagen könnte und dafür sorgen würde, dass die äußeren Risiken, was die Prognosen für die Konjunktur der USA angeht, explosionsartig zunehmen.«

»Am Sonntag zog der Präsident mit seiner Knallhart-Taktik in den Handelsgesprächen mit China die Daumenschrauben weiter an und seine beiden Tweets erwecken den Eindruck, sie könnten eine deutliche Korrektur der Aktienmärkte lostreten«, schrieb Chris Rupkey, Chefökonom der MUFG Union Bank. »Seit Wochen wurden die Märkte eingelullt, was den Handelskrieg der USA mit China angeht, und in dem Glauben gewogen, eine Vereinbarung stehe kurz bevor. Damit ist Schluss.

»Alles spricht für eine absolute Katastrophe, die die Börse diese Woche in den Keller jagen könnte und dafür sorgen würde, dass die äußeren Risiken, was die Prognosen für die Konjunktur der USA angeht, explosionsartig zunehmen.«

Könnte dies einer der Auslöser sein, die uns über die Klippe in den wirtschaftlichen Abgrund stoßen?

Auch ohne ein Scheitern der Handelsgespräche mit China liegen wir definitiv auf Rezessionskurs. Mir gefällt sehr, wie sich der Ökonom John Williams kürzlich bei einem Interview mit Greg Hunter ausdrückte:

»Wir sind bereits mittendrin in einer Rezession. Was noch fehlt, ist, dass sie sich bei einigen dieser anderen komischen Zahlen niederschlägt. Die Realität sieht so aus – ein Abschwung mit unterschiedlichen Drucksituationen. Menschen, die derzeit wegen der Wirtschaft wirklich besorgt sind … und dazu zählt Präsident Trump, der vor einer Wiederwahl steht … er argumentiert , dass die Fed die Zinssätze senken sollte und da bin ich bei ihm. Die Fed hat diesen Umstand herbeigeführt. Sie drängt die Wirtschaft nach oben, weil sie die Zinsen weiter anheben möchte. Banken verdienen bei höheren Zinsen mehr Geld und sie [bei der Fed] versuchen noch immer, die Probleme aus der Welt zu schaffen, die sie erschaffen haben, als sie 2008 das Bankensystem retteten.«

Die ersten Monate des Jahres 2019 waren überraschend ruhig, aber nun scheinen sich die Ereignisse in großem Stil zu beschleunigen.

Schnallen Sie sich an, denn vor uns liegt offenbar ein ziemlich holpriger Weg.

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