Tyler Durden

Hoher US-General überraschend in Israel, während Kreml über Raketenlieferung an Syrien nachdenkt

Die Raketenangriffe auf Syrien, die die von den USA geführte Koalition kürzlich veranstaltete, scheinen sich immer mehr als Schuss in den Ofen zu erweisen. Weder wurde Syrien geschwächt noch die militärische Schlagkraft des Landes gemindert. Schlimmer noch: Der Angriff hat möglicherweise zur Folge, dass Syriens Verteidigungsapparat stärker wird.

Bei dem gewaltigen Luftschlag haben die USA, Großbritannien und Frankreich über 100 Marschflugkörper auf syrische Ziele abgefeuert. Seitdem beschleunigt Russland offenbar die Auslieferung seines modernen Raketenabwehrsystems S-300 an Syrien. Das käme einem monumentalen Upgrade der syrischen Luftabwehr gleich. Bislang arbeiten die syrischen Einheiten mit S-125- und S-200-Raketen, die noch aus Sowjetzeiten stammen.

Ein wesentlicher Punkt: Die S-300-Raketen haben eine Reichweite von 150 bis 200 Kilometern, reichen also weit in den libanesischen Luftraum hinein (eigentlich neutrales Gebiet, aber in den vergangenen Jahren hat Israel von libanesischem Luftraum aus wiederholt Ziele in Syrien beschossen). Sogar Ziele über Israel selbst ließen sich mit S-300-Raketen bekämpfen.

Ist das der Grund dafür, dass hinter den Kulissen Diplomaten derzeit sehr aktiv sind?

Am Montag meldete Steve Herman, bei Voice of America News Chefkorrespondent für das Weiße Haus, dass General Joseph Votel sich mitten in einem »geheimen und beispiellosen Besuch in Israel befindet«. Votel ist als Befehlshaber von CENTCOM, dem Zentralkommando der amerikanischen Streitkräfte, für alle amerikanischen Truppen in Nahost, Ostafrika und Zentralasien zuständig.

Publik wurde dieser »Geheimbesuch« durch Videoaufnahmen des israelischen Senders Kann News, der berichtete: »Erstmals hält sich der Kommandeur des amerikanischen Zentralkommandos in Israel auf, wo er sich mit ranghohen Vertretern der Sicherheitsbehörden traf, unter anderem dem Generalstabschef

Die Aussicht, dass demnächst praktisch unmittelbar vor Israels Haustür S-300 aus russischer Lieferung, ein laut Waffenexperten »außerordentlich modernes« Raketenabwehrsystem, stationiert sein könnten, sorgt bei Israel und seinen Verbündeten für ein hohes Maß an Nervosität. Israel hat eine Lieferung von S-300 wiederholt als »rote Linie« bezeichnet, bei deren Überschreiten man sich zum Handeln genötigt sähe. Die Pläne für ein derartiges Szenario dürften derzeit mit Hochdruck vorangetrieben werden.

Am frühen Montagmorgen meldete sich der Chefberichterstatter zu diplomatischen Themen des israelischen Senders Channel 10 mit einer Meldung, die im Anschluss in der Times of Israel und der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt wurden:

»Die russische Zeitung Kommersant berichtet, dass Russland in sehr naher Zukunft Syrien mit S-300-Luftabwehrraketen beliefern könnte, um Damaskus und strategische syrische Armeestützpunkte vor Luftangriffen der Israelis und Amerikaner zu schützen.

Kommersant zufolge wird Russland Syrien die S-300-Raketen aus russischen Armeebeständen im Rahmen seiner militärischen Hilfestellung schenken. Auf diese Weise ließe sich die Lieferung sehr schnell abwickeln.

Russische Militärquellen erklärten, Teile der S-300 würden schon bald per Frachtschiff oder mit russischen Kriegsschiffen nach Syrien geliefert. Bis syrische Offiziere für den Umgang mit dem System ausgebildet wurden, werden russische Militärexperten in Abstimmung mit der syrischen Armee die Waffen bedienen.

Russland glaube, dass das System die Lage in Syrien stabilisieren und Israel und die USA davon abhalten werde, seine Luftschläge in Syrien fortzusetzen, schreibt Kommersant. Sollte Israel die Raketenbatterien angreifen, wären die Folgen katastrophal, erklärten russische Quellen.

Syriens Luftabwehrsysteme sind über 30 Jahre alt, scheinen sich bei den jüngsten Angriffen aber gut geschlagen zu haben, auch wenn Analysten noch darüber streiten, wie wirksam sie tatsächlich waren. Offiziellen Angaben der russischen und der syrischen Regierung zufolge wurden 71 der 103 Marschflugkörper abgeschossen. Für den Westen und für Israel (das beim Angriff der Koalition seinen eigenen Teil gespielt hat) dürfte das ein ziemlicher Schock gewesen sein.

Wie bereits an anderer Stelle geschildert, bestreitet das Pentagon vehement, dass ihre »schönen und neuen und klugen« Marschflugkörper tatsächlich abgeschossen wurden. Russland behauptet inzwischen, im Besitz von mindestens zwei nicht detonierten Raketen der Koalition zu sein. Die meisten westlichen Medien geben weiterhin an, die syrische Raketenabwehr habe nicht eine einzige Rakete abschießen können. Was auffällig ist: Das Pentagon betont in all seinen Aussagen sorgfältig, dass Russlands S-300-System (das sich beispielsweise auf russischen Kriegsschiffen im Mittelmeer findet) nicht zum Einsatz kam.

Wie auch immer: Es gibt andere Möglichkeiten, die dazu geführt haben können, dass Raketen der Koalition ihre Ziele in einigen Fällen nicht erreichten, obwohl sie nicht von der syrischen Luftabwehr abgefangen wurden. Möglicherweise kamen auch moderne elektronische Gegenmaßnahmen der russischen Luftabwehr zum Einsatz.

Man muss die Aussagen des russischen Verteidigungsministeriums nicht für bare Münze nehmen. Es ist sehr gut vorstellbar und durchaus wahrscheinlich, dass die Russen ihre Erfolgsquote zu hoch angegeben haben. Dass jedoch in jener Nacht tatsächlich Raketen abgeschossen wurden, berichten auch mehrere wichtige externe Quellen, beispielsweise rebellenfreundliche syrische Medien. An erster Stelle ist hier die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zu nennen, die seit Jahren als wichtige Anlaufstelle für die gesamte Berichterstattung der Mainstreammedien über Syrien gilt (ironischerweise allerdings ignoriert wird, wenn sie, wie in diesem Fall, den Mainstreammedien widerspricht).

Die Beobachtungsstelle meldet, dass »mehreren gemischten Quellen« vor Ort zufolge »die Zahl der abgeschossenen Raketen mehr als 65 beträgt«. Eine derartige Aussage von der Assad und Russland ablehnend gegenüberstehenden Organisation ist ausgesprochen bedeutsam und deckt sich darüber hinaus mit den Angaben Russlands.

All das wird möglicherweise jedoch schon sehr bald völlig bedeutungslos sein, falls Russland Syrien tatsächlich das S-300-System zur Verfügung stellt. Bereits unmittelbar nach den von den USA angeführten Luftschlägen hatte Russland gewarnt, dass mit Konsequenzen zu rechnen sei.

Noch am Morgen nach dem Luftangriff erklärte Russlands erster stellvertretender Generalstabschef Sergei Rudskoi, Russland werde »noch einmal prüfen«, ob man Assad mit Luftabwehrsystemen ausstatte. Bis dahin schien das Thema eigentlich vom Tisch, nachdem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu 2013 erfolgreich auf Russlands Präsident Wladimir Putin eingewirkt hatte.

Netanjahu wurde damals mit der Aussage zitiert: »Liefert ihr eure [S-300-]Raketen an Assad, werden wir sie zerstören.« Diese Warnung war zuletzt wiederholt worden, als Israel von einer »roten Linie« sprach. Diese Woche allerdings zitiert die Times of Israel russische Militärquellen mit der Aussage: Sollte Israel versuchen, die Luftabwehrbatterien zu zerstören – ein nach Einschätzung von Analysten realistisches Szenario – wäre das »katastrophal für alle Seiten«.

Am Montag meldete Reuters, es sei noch keine Entscheidung gefallen, was die Lieferung von S-300 an Syrien angehe. Die Nachrichtenagentur zitierte den russischen Außenminister Sergei Lawrow mit den Worten: »Wir müssen abwarten, welche Entscheidungen genau die russische Führung und die Vertreter Syriens treffen werden.« Lawrow weiter: »Daran ist vermutlich nichts Geheimes und es kann alles verkündet werden (falls eine Entscheidung gefällt wurde).«

Was Israel angeht, hieß das Motto in der Vergangenheit aber oftmals »Erst zuschlagen, dann verhandeln«. Insofern kann es gut sein, dass erst Raketen in der Luft sind, noch bevor irgendeine offizielle Ankündigung gemacht wurde.

Quelle: ZeroHedge

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