Kim Blatter

Iran-Konflikt: Wird der Golf von Oman zum neuen Golf von Tonkin?

Wer hätte es gedacht: Für den Angriff auf Handelsschiffe im Persischen Golf machen die USA nun den Iran verantwortlich. Hier wurden am Wochenende zwei saudi-arabische Öltanker und zwei weitere Schiffe in der Nähe der Meerenge von Hormus beschädigt, was die Spannungen zwischen den USA und dem Iran weiterhin ansteigen lässt – und es riecht verdächtig nach Sabotage.

Offiziell gemeldet wurden »staatsfeindliche Operationen« gegen vier zivile Handelsschiffe aus unterschiedlichen Ländern. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gaben bekannt, dass zwei Öltanker dabei stark beschädigt worden seien. Einer der Tanker sei auf dem Kurs gewesen, saudisches Öl in die USA zu liefern.

Ein US-Beamter, dessen Name nicht genannt werden soll, berichtete dem Wall Street Journal (WSJ), dass diese Attacken militärische Spannungen im Golf entfachen würden und die Chance bestünde, dass sich das Ganze zu einem globalen Stellvertreterkrieg zwischen USA, China und Russland entwickeln könnte. Einige weitere Details vom WSJ:

Der US-Beamte gab keine Details darüber bekannt, was genau der Auslöser für die Anschuldigungen gegen den Iran gewesen sein könnte. Die USA hatten in der vergangenen Woche gemeldet, dass sie einen Flugzeugträger, ein Angriffsschiff, eine Bomber Task Force und ein Raketenabwehrsystem in die Region geschickt hätten, da der Iran angeblich eine Bedrohung für ihre Truppen darstelle.

Auf einem Treffen mit Ungarns Premierminister Viktor Orbán im Weißen Haus am Montag gab Trump bekannt, dass der Iran einen Angriff bereuen würde. Die aktuellen Anschuldigungen bezüglich der Öltanker passen wiederum zur Warnung des CIA-Veteranen Mike Pompeo, der nur 2 Tage vor dem Angriff drohte, das Regime in Teheran solle verstehen, dass alle Angriffe von ihnen oder ihren Vertretern mit einer schnellen und entschlossenen Reaktion der USA beantwortet werden würden.

Und genau 2 Tage nach dieser Drohung inszenierte der Iran ­­– so die US-Beamten – einen der dreistesten Angriffe auf Öltanker in der Straße von Hormus seit Jahren. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Der Iran wiederum bezeichnet den Einsatz der US-Streitkräfte im Persischen Golf als einen Ausdruck der psychologischen Kriegsführung. Die Amerikaner jedoch seien nicht bereit für einen Krieg – schon gar nicht, solange Israel in ihrer Reichweite liege, behauptete der stellvertretende Parlamentssprecher Ali Motahhari am Sonntag nach einer geschlossenen Sitzung mit Abgeordneten.

Wird der Persische Golf tatsächlich zum neuen Golf von Tonkin? Die jüngsten Provokationen deuten stark darauf hin. Zur Erinnerung:

Beim Tonkin-Zwischenfall vom August 1964 im Golf von Tonkin vor der Küste Nordvietnams sollen nach Angaben der United States Navy nordvietnamesische Schnellboote zwei US-Kriegsschiffe mehrmals ohne Anlass beschossen haben. Die US-Regierung unter Präsident Lyndon B. Johnson begründete damit ihre »Tonkin-Resolution«, welche das Eingreifen der USA in den Vietnamkrieg legalisierte. Ob diese Angriffe tatsächlich stattfanden, ist nach wie vor umstritten. Im Jahre 1980 wurde erwiesen, dass am 4. August 1964 kein Torpedoangriff auf amerikanische Kriegsschiffe erfolgt ist.

Auch der Iran hat sich zu den jüngsten Angriffen auf die Öltanker eingeschaltet. Außenamtssprecher Abbas Mussawi fordert eine umfassende Untersuchung der mutmaßlichen Sabotageversuche. Heshmatollah Falahatpisheh, Vorsitzender des Nationalen Sicherheitskomitees des iranischen Parlaments, vermutet ebenfalls eine gezielte ausländische Provokation: »Die Explosionen könnten von Saboteuren aus einem Drittstaat verübt worden sein, die Instabilität in der Region schüren wollen«, teilte er der iranischen Nachrichtenagentur IRNA mit.

Mittlerweile hat auch der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln den Sueskanal passiert und befindet sich auf direktem Weg in den Persischen Golf. Die amerikanische Drohkulisse wäre hiermit wieder komplett.

Dienstag, 14.05.2019