Tyler Durden

Russland liefert Syrien voraussichtlich moderne Luftabwehrraketen und warnt Israel vor »katastrophalen Konsequenzen«

Seit Russlands Verteidigungsministerium andeutet, Syrien möglicherweise mit dem hochmodernen Luftabwehrsystem S-300 zu beliefern, fährt Israel seine Rhetorik hoch. Sollte Russland die Syrer tatsächlich ausrüsten, lägen der libanesische, aber auch der israelische Luftraum in der Reichweite syrischer Raketen.

Am Dienstag machte Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman eindrücklich klar, dass sein Land derartige Raketenbatterien angreifen werde, sollte Russland Syrien beliefern. Bei dem seit Jahren in Syrien tobenden Krieg spielt Israel eine zentrale Rolle. So unterstützt Israel seit Langem aufständische Assad-Gegner mit Verbindungen zu al-Kaida, die südlich von Damaskus operieren.

Der israelischen Nachrichten-Website YNet sagte Lieberman: »Uns ist es wichtig, dass die Defensivwaffen, die die Russen Syrien geben, nicht gegen uns verwendet werden.« Anschließend drohte er: »Eines sollte klar sein: Wenn jemand unsere Flugzeuge beschießt, werden wir ihn zerstören.«

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte deutlich, dass die Auslieferung der S-300-Raketen eine »rote Linie« darstelle, deren Übertreten Israel zum Handeln zwinge.

2013 hatte Russlands Präsident Wladimir Putin Berichten zufolge erstmals erwogen, Syrien die Raketen zukommen zu lassen. Das S-300-System würde für Syriens Luftabwehr einen echten Quantensprung darstellen, da die Armee bislang mit Technologie aus Sowjetzeiten arbeitet. Damals hatte Netanjahu gewarnt: »Wenn ihr die Raketen an Assad liefert, werden wir sie zerstören.« Israel würde zuschlagen, bevor das System einsatzbereit sei, so der Ministerpräsident.

Lange zögerte der Kreml, das fragile diplomatische Verhältnis zu Israel zu gefährden, aber nachdem am 13. April die von den USA geführte Koalition Luftangriffe auf Syrien durchführte, änderte Moskau am folgenden Morgen seine Haltung. Russlands erster stellvertretender Generalstabschef Sergei Ruzkoi erklärte, Russland werde »überdenken«, ob man Assad mit den Luftabwehrsystemen beliefere. Eigentlich galt das Thema als abgeschlossen, nachdem Russland und Israel auf Gipfeltreffen in Sotschi darüber gesprochen hatten.

Zahlreiche internationale Berichte lassen inzwischen jedoch den Schluss zu, dass Russland die Lieferung des gefürchteten Luftabwehrsystems mit einer Reichweite von 150 bis 200 Kilometern vorantreibt.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf eine staatliche russische Nachrichtenagentur:

Die Nachrichtenagentur RIA zitierte am Mittwoch das russische Verteidigungsministerium mit den Worten, Russland beabsichtige, Syrien in naher Zukunft mit neuen Luftabwehrsystemen auszurüsten.

Weiter teilte das Ministerium mit, es beabsichtige, eine amerikanische Tomahawk-Cruise-Missile zu untersuchen, die syrischen Streitkräften unlängst bei einem Angriff in die Hände fiel, so RIA

Wie die israelische Tageszeitung Haaretz schreibt: »Mit Putins S-300 könnte Assads Armee Flugzeuge der israelischen Streitkräfte schon beim Start von israelischen Basen mit dem Zielerfassungsradar anvisieren.« Ein israelischer Rüstungsanalyst sagte: »Israel sollte sich Sorgen machen.“

Aber was steckt tatsächlich hinter Israels Warnungen und den Drohungen, beim Überschreiten »roter Linien« zu handeln? Es hat gewiss nicht damit zu tun, dass Syrien oder Russland Israel gegenüber aggressiv werden könnten, denn keines der beiden Länder hat Israel in der jüngeren Vergangenheit angegriffen.

Stattdessen trifft das genaue Gegenteil zu: Seit mindestens 2013 hat Israel den russischen Verbündeten Syrien wiederholt und ungestraft angegriffen. Israel geht es einzig darum, sich die unangefochtene Lufthoheit zu bewahren. (Wir erinnern uns: 2007 griff Israel in der Nähe von Deir ez-Zor einen mutmaßlichen syrischen Atomreaktor an, was unlängst auch von israelischer Seite eingeräumt wurde.)

Vergangenen Sommer räumte der Chef der israelischen Luftwaffe erstmals offen ein, dass die israelischen Streitkräfte während der vergangenen fünf Jahre mindestens 100 Angriffe auf Konvois und Militäreinrichtungen in Syrien durchgeführt haben. Seitdem ist möglicherweise ein Dutzend weitere Angriffe hinzugekommen. Erst vor kurzem setzte sich Syrien gegen israelische Verletzungen des Luftraums zur Wehr und schoss in der Nähe der Golanhöhen mindestens eine israelische F-16 ab. Berichten zufolge war Israel auch bei dem Raketenangriff am 13. April dabei, und zwar in der Absicht, die klare Dominanz der syrischen Armee im Kampf gegen die bewaffneten Aufständischen zu schwächen.

Obwohl Israel über 100 unprovozierte Angriffe durchgeführt hat, hat Assad die israelischen Köder nicht geschluckt und Israel damit auch seinen Wunsch nach einer Eskalation nicht erfüllt. Regierungstreue Syrer haben wiederholt beklagt, dass Israel im Stande zu sein scheint, nach Belieben auf syrischem Territorium zuzuschlagen, aber Assad scheint langfristig zu denken: »Erst einmal überleben, dann Vergeltung üben.«

Von Anfang an war klar, was Israel mit seinen unregelmäßig regelmäßigen Angriffen auf strategisch unbedeutende Ziele beabsichtigte: Es ging um Provokation. Sollte Damaskus mit Raketen in Richtung Israel antworten, würde Netanjahu mit einem breit angelegten Angriff zurückschlagen – gegen ein Syrien, das so schwach wie nie dasteht, weil es mitten in einem zehrenden und aus dem Ausland finanzierten Aufstand von al-Kaida steckt.

Bei Analysten ist es strittig, wie es um Syriens Luftabwehr bestellt ist, aber es spricht einiges dafür, dass sich die über 30 Jahre alte Technologie (aus Sicht des Westens) überraschend gut geschlagen hat. Nach offiziellen Berichten aus Russland und Syrien wurden 71 von 103 Marschflugkörpern abgeschossen (Russland hat diese Woche Beweise dafür vorgelegt, dass seine Angaben zutreffend sind. Dem steht die Aussage des Pentagons gegenüber, wonach nicht eine einzige Tomahawk abgeschossen wurde.)

Israelische Militäranalysten geben mittlerweile relativ offen preis, worum es letztlich geht: Israel möchte auch weiterhin nach Belieben und ohne die Gefahr weitreichender Konsequenzen in Syrien schalten und walten können – ganz unabhängig davon, was das Ausland sagt oder wie sehr sich im Ausland Widerstand gegen das Likud-Establishment regt.

Es reicht schon, die »zentristische« Jerusalem Post aufzuschlagen. Deren stellvertretender geschäftsführender Redakteur Tovah Lazaroff zitiert ungewöhnlich offen einen israelischen General, der sich zu den Zielen seines Landes äußert:

»Israel fürchtet, dass die S-300 Israels Möglichkeiten einschränken würde, syrische Militäranlagen anzugreifen, die für den jüdischen Staat gefährlich sind. Das würde es dem Iran erlauben, seine militärische Position in Syrien zu festigen.

»Es ist das bislang mit Abstand modernste Luftabwehrsystem in syrischen Händen«, sagte der pensionierte Brigadier Assaf Orion. »Insofern ist es theoretisch eine Verschanzung gegen den scheinbaren Handlungsfreiraum der israelischen Luftwaffe im syrischen Luftraum.««

Haaretz zitiert unterdessen russische Militärquellen mit der Aussage, Israel müsse sich auf »katastrophale Konsequenzen« einstellen, sollte es versuchen, die Luftabwehrbatterien zu zerstören – was Israel Analysten zufolge vermutlich probieren würde.

Trump führt einen »einmaligen« Schlag gegen Syrien durch und Russland hält sich bei dem großen amerikanischen Feuerwerk zurück. Viele atmeten im Anschluss einmal tief und erleichtert durch, weil es schien, als sei ein dritter Weltkrieg abgewendet worden. Oder haben wir schlicht nur das Vorspiel erlebt und der große Knall kommt erst noch?

Quelle: ZeroHedge

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