Michael Snyder

Trump packt den Zölle-Hammer aus – und China verspricht umgehend Vergeltung

Um 0:01 Uhr Ortszeit hat US-Präsident Donald Trump am Freitag seine Drohungen wahr gemacht und China mit einer massiven Anhebung der Einfuhrzölle belegt. China kündigte sofortige Vergeltungsmaßnahmen an. Unterhändler beider Seiten werden die Verhandlungen fortführen, aber wäre man auf amerikanischer Seite guter Dinge gewesen, eine baldige Einigung erzielen zu können, wäre dieser Schritt in Sachen Zölle niemals getan worden. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen beide Seiten mit ihren Verhandlungspositionen sehr weit auseinander und es ist unwahrscheinlich, dass sich daran etwas ändert.

Seit Jahrzehnten nutzen die Chinesen die Vereinigten Staaten aus und wollen auch nichts daran ändern. Präsident Trump und seine Berater dagegen sind fest entschlossen, für Chancengleichheit zu sorgen. Wenn nicht eine der beiden Seiten stark einlenkt, wird es kein Handelsabkommen geben und dies würde zu einem Handelskrieg führen. Für die Weltwirtschaft wären das ausgesprochen schlechte Nachrichten.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt:

»Die USA haben am Freitag auf chinesische Waren im Wert von über 200 Milliarden Dollar die Zölle angehoben. Es war der bislang dramatischste Schritt in Donald Trumps Bemühungen, China zu Zugeständnissen im Handel zu bewegen, und er vertieft einen Konflikt, der die Finanzmärkte aufgewühlt und einen Schatten auf die Weltwirtschaft geworfen hat.

China verbreitete unverzüglich eine Presseerklärung, in der es hieß, dass man gezwungen sei, zu Vergeltungsmaßnahmen zu greifen. Einzelheiten wurden nicht genannt.«

Judd Deere, stellvertretende Pressesprecherin des Weißen Hauses, erklärte, dass die Verhandlungen am Freitag fortgeführt würden:

»Heute Abend haben sich der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin mit Präsident Trump getroffen, um über die andauernden Handelsgespräche mit China zu reden. Der Botschafter und der Minister hatten anschließend ein Arbeitsessen mit dem chinesischen Vize-Premier Liu He und vereinbarten, die Gespräche morgen früh fortzuführen.«

Aber die Unterredungen liefen nicht gut genug, um auch nur einen Aufschub beim Inkrafttreten der Strafzölle zu vereinbaren. Trump setzte um, was er versprochen hatte, und die Chinesen sagen, sie hätten bereits für jedes denkbare Ergebnis eine Antwort parat:

»Gleichzeitig hat die chinesische Seite bereits für alle Eventualitäten eine Reaktion vorbereitet«, erklärte Gao Feng vom chinesischen Handelsministerium am Donnerstag auf der wöchentlichen Pressekonferenz.

Vermutlich haben die Chinesen nicht umgehend mit eigenen neuen Strafzöllen reagiert, weil sie zunächst abwarten wollten, wie die Gespräche am Freitag verlaufen. Letztlich würde es China begrüßen, wenn Trump die Zölle noch einmal zurückstellt, ohne dass sie ihm das dringend herbeigesehnte Handelsabkommen zugestehen müssen. Chinas Taktik bestand bislang darin zu verzögern, wo es nur geht. Zweifelsohne werden sie auch jetzt versuchen, die Dinge wieder auf die lange Bank zu schieben.

Inzwischen jedoch ist Trump dahintergekommen, dass sie versuchen, die Uhr bis zum Ende seiner Amtsperiode ablaufen zu lassen, deshalb tritt er nun entschlossen auf.

Ohne Frage ist es löblich, endlich mal eine Regierung in Washington zu haben, die den Chinesen die Stirn bietet. Seit Jahren haben sie uns gnadenlos über den Tisch gezogen und uns abgezockt. Damit muss Schluss sein.

Hier ist nur ein Beispiel dafür, das Trump gerne teilt:

»Wird ein Auto von China in die USA verschifft, fällt dafür Zoll in Höhe von 2,5 Prozent an. Wenn ein Auto von den USA nach China verschifft wird, beträgt der Zoll 25 Prozent. Klingt das nach einem freien oder gerechten Handel? Nein, es klingt nach DUMMEM HANDEL – und so geht das seit Jahren!«

Natürlich hat Trump absolut Recht. Das ist kein »freier Handel« und es ist ganz entschieden kein »gerechter Handel«. Wollen sie unsere Automobilbranche mit Einfuhrzöllen in Höhe von 25 Prozent belegen, dann sollten sie damit rechnen, dass wir ihre zentralen Industriezweige im Gegenzug ganz genauso behandeln.

Die ganze Zeit über hat Trump erklärt: Lässt China all seine Zölle fallen, sind wir bereit, es genauso zu tun. Aber die Chinesen würden so etwas niemals zustimmen.

Also bietet Trump China die Stirn. Leider wird es aber auch extrem schmerzhaft werden, den Status quo ins Wanken zu bringen. Ein ausgewachsener Handelskrieg mit China wäre für die Weltwirtschaft nahezu untragbar. Würde Trump begreifen, wie schlimm es möglicherweise werden könnte, hätte er diesen Weg vermutlich niemals eingeschlagen, denn wenn die Konjunktur einbricht, wird es ausgesprochen schwierig werden, die Wiederwahl zu gewinnen.

Ich glaube, ein kleiner Rückblick auf das, was bei unserem vorangegangenen Handelskrieg passiert ist, vermittelt uns eine gewisse Vorstellung von dem, was auf uns zukommen könnte:

Am 17. Juni 1930 unterzeichnete Präsident Herbert Hoover das Gesetz Smooth-Hawley Act, das mehr als 20.000 Importwaren mit Zöllen belegte. Dieser Schritt fiel mit dem schlimmsten Wirtschaftsabschwung des 20. Jahrhunderts zusammen. Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt brach 1930 um 8,5 Prozent ein, 1931 um 6,4 Prozent und 1932 um 12,9 Prozent.

Am 12. Juni 1934 unterschrieb Präsident Franklin D. Roosevelt den Reciprocal Tariff Act, der im Grunde das Ende des Handelskriegs besiegelte. Und was geschah?

1934 wuchs die US-Wirtschaft um 10,8 Prozent, 1935 um 8,9 Prozent und 1936 um 12,9 Prozent.

Heutzutage ist die Weltwirtschaft viel stärker miteinander verknüpft als in den 1930er-Jahren, insofern könnten die Auswirkungen eines globalen Handelskriegs deutlich stärker sein.

Wir brauchen einen Handel mit China, der gerecht und ausgewogen ist, aber sind wir auch bereit, außerordentlich viel wirtschaftliche Schmerzen zu ertragen, um zu diesem Ergebnis zu gelangen? Und falls die Beziehungen zu China zerbrechen, lassen sie sich je wieder kitten?

Wir stehen an einem kritischen Wendepunkt in der Geschichte Amerikas und wenn die Dominosteine erst einmal begonnen haben zu fallen, wird niemand mehr die Uhr zurückdrehen können. Letztlich werden wir alle mit den Entscheidungen leben müssen, die die Regierung Trump derzeit trifft. Hoffen wir also, dass die Vernunft siegen wird.

Freitag, 10.05.2019

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