Andreas von Rétyi

Wuhans Whistleblower: Das Verschwinden der Wahrheitssucher

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Wie gefährlich die Suche nach der Wahrheit ist, belegt das Schicksal zahlreicher »Kronzeugen« aus Wuhan, die dem Geheimnis um Covid-19 offenbar zu nahe kamen. So mysteriös wie die Seuche selbst, so mysteriös scheint auch das plötzliche Verschwinden dieser Menschen.

Zum April wurde bekannt, dass die chinesische Ärztin Dr. Ai Fen plötzlich unauffindbar ist. Die Leiterin der Notaufnahme am Wuhan-Hospital war rund 2 Wochen zuvor mit einer Warnung an die Öffentlichkeit gegangen, um zu erklären, dass sie und ihre Kollegen seitens der Behörden daran gehindert würden, die Welt zu warnen.

Vor allem chinesische Ärzte, Journalisten und Blogger, die verdeckte Wahrheiten zu Covid-19 ans Licht bringen wollen, leben gefährlich.

Was sich seit dem Ausbruch der neuartigen Corona-Seuche im Reich der Mitte abspielt, erweist sich zunehmend als beängstigend. Und zwar auch mit Blick auf das reihenweise Verschwinden von »Kronzeugen« des wahren Geschehens und all jener, denen es daran lag, Fakten aufzudecken.

Reichlich mysteriös schon der Tod des chinesischen Augenarztes Li Wenliang aus Wuhan, der bereits Ende Dezember vor dem Ausbruch einer gefährlichen Seuche warnte und daraufhin von den Landesbehörden diszipliniert wurde.

Er musste bestätigen, Falschinformationen verbreitet zu haben; es gebe keine Hinweise darauf, dass es sich um eine von Mensch zu Mensch übertragbare Krankheit handle.

Der erst 34-jährige Li Wenliang erkrankte laut allgemeiner Berichterstattung selbst an Covid-19 und verstarb bald darauf, in der Nacht zum 6. Februar. Die Medien verschwiegen den Tod des »Wuhan-Blowers«. Wenig später verstarb auch sein Chef an der Krankheit. Nicht nur dies fachte die Diskussion an, ob dabei nicht vielleicht nachgeholfen wurde.

Die Begleitumstände von Li Wenliangs Tod stimmen nachdenklich. Seine Frau Fu Xuejie chattete täglich mit dem erkrankten Ehemann, der im abgeriegelten Krankenhaus von Wuhan lag und nicht besucht werden durfte. Noch unmittelbar vor seinem Tod hatte er ihr geschrieben, alles sei in Ordnung. Als sie daraufhin nichts mehr von ihm hörte, bat sie Kollegen um Hilfe, doch erst aus den Medien erfuhr sie vom Tod ihres Mannes.

Li Wenliang wurde rund einen Monat nach seinem Tod von der KP-Regierung Chinas für sein Verhalten ausgezeichnet – das sorgte für eine Welle von Kritik, Wut und Entrüstung.

In einem Interview mit dem chinesischen Informationsportal Jiemian berichtete Fu Xuejie später davon, schon wochenlang vergeblich auf das Untersuchungsergebnis zur Todesursache zu warten. Die KP sorgte allerdings schon nach 3 Stunden für eine Löschung dieses Gesprächs. Nicht anders bei einem Interview mit der bald darauf verschollenen Ärztin Ai Fen. Das Magazin People publizierte den Dialog unter dem Titel »The Whistle-Giver« online; der komplette Inhalt wurde dann aber ebenfalls binnen 3 Stunden zwangsweise entfernt. Ai Fen wurde am 18. Dezember 2019 erstmals mit dem Coronavirus konfrontiert. Durch sie gelangte die Information zum neuen SARS-Virus dann schließlich auch an Li Wenliang.

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Eine kryptische Nachricht

Nachdem sie sich entschlossen hatte, an die Öffentlichkeit zu treten, verschwand Ai Fen. Das australische TV-Programm 60 Minutes Australia berichtete über den Fall, woraufhin plötzlich wieder erste Lebenszeichen der Ärztin zu verzeichnen waren, wenn auch seltsame Botschaften. Auf ihrer chinesischen Website erschien die kryptische Nachricht: »Ein Fluss. Eine Brücke. Eine Straße. Ein Glockenschlag. « Begleitet wurde dieses Posting nur von einem Stadtbild von Wuhan. In den Tagen ihres Verschwindens hatte Ai Fen noch geschrieben: »Danke für eure Fürsorge und Liebe. Mir geht es im Moment gut und ich arbeite immer noch.« Selbst als sie bereits von der Bildfläche verschwunden war, postete sie noch Grüße zum närrischen 1. April, offenbar in bester Laune. Wie allerdings Radio Free Asia berichtete, müssen Inhaftierte ihre Accounts unter Kontrolle und Druck der Behörden weiterführen, auch sei es möglich, dass die Polizei selbst immer wieder solche vermeintlichen persönlichen Nachrichten produziere.

»Sie verfolgen mich!«

Die One Free Press (OFP) Coalition setzt sich für Journalisten ein, die bei ihren Anstrengungen zur Aufdeckung bedeutsamer Wahrheiten deutliche Repressalien erleben, und hat eine Liste der zehn eklatantesten Fälle attackierter Reporter zusammengestellt. Darauf befindet sich auch der Name Chen Qiushi. Der engagierte chinesische Bürgerjournalist nahm seinerzeit noch den letzten verfügbaren Hochgeschwindigkeitszug nach Wuhan, um über den Ausbruch der Seuche und die Situation in den dortigen Kliniken zu berichten. Eine knappe Woche danach verschwand auch er spurlos. Nicht anders der ebenfalls aus Wuhan stammende Geschäftsmann Fang Bin, der über die Faktenlage berichten wollte. Im März verschwand zudem der erst 25-jährige Top-Journalist Li Zehua mitten in Wuhan, nachdem er zuvor noch aus seinem Auto darüber berichtet hatte, gerade regelrecht gejagt zu werden. »Ein Auto der Staatssicherheit verfolgt mich – ich bin in Wuhan, sie verfolgen mich«, so teilte er eilig in seiner selbst aufgenommenen Smartphone-Botschaft mit.

Was steckt noch dahinter?

Zehua gab noch durch, soeben Recherchen zu einem Hochsicherheitslabor vorgenommen zu haben. Als er diese Anlage aufsuchte, wurde er sofort ins Visier genommen. Stammt das Virus also doch aus einem geheimen Biolabor? China und auch unsere Medien wehrten sofort ab, das sei düstere Verschwörungstheorie und Spekulation. Während Wissenschaftler 2017 im Fachblatt Nature davor warnten, das Virus könne aus dem in der Nähe des Tiermarktes von Wuhan gelegenen Hochsicherheitslalor ausbrechen, erklärten Forschergruppen später, die DNA-Analyse des neuartigen Coronavirus schließe einen künstlichen Ursprung aus; der Erreger sei eindeutig durch natürliche Selektion entstanden. Nun aber wird neuerdings berichtet, dass China das Coronavirus sowohl Fledermäusen als auch Ferkeln injiziert und andere Ferkel mit den infizierten Überresten gefüttert habe. Im Biowaffenlabor von Wuhan! Kann das stimmen?

Zumindest britische Minister nehmen die Labortheorien zum Ursprung des Virus offenbar mittlerweile ernster. Wäre es denkbar, dass es bei der anhaltenden Vertuschung nicht nur um das uns nun in aller Welt sattsam bekannte Coronavirus geht, sondern vor allem um seinen wahren Ursprung? Und könnte es sein, dass dabei auch die USA eine Rolle spielen? Der Juraprofessor Francis Boyle ist überzeugt: Das Virus ist eine Biowaffe aus dem Labor.

Dieser Beitrag ist zuerst in KOPP Exklusiv (Ausgabe 17/20) erschienen.

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Samstag, 02.05.2020